"Mit Mama allein zu Haus" – Fremdbetreuung – Ja oder nein?

Anne/ Oktober 20, 2016/ Aus dem Leben, Elternleben/ 0Kommentare

Da stolpert bei Twitter über einen freudigen Tweet, dass ein Artikel online ist und ist dann doch recht perplex auf was man stößt.

Die Vorgeschichte

Die ist recht schnell erzählt.
Ich folge Frida Mercury (@2kindchaos) bei Twitter und bin so manches mal über ihre Tweets überrascht. Mal lustig, mal was zum Nachdenken. Da es für uns Blogger immer eine große Sache ist, wenn wir auf anderen Plattformen erwähnt werden – und dann auch noch in der FAZ – musste ich mir den Artikel direkt mal ansehen…und getweeten 😉

Zum Artikel selbst

Leipziger Mama - mit-mama-allein-zu-hausFrida wurde hierfür interviewt. Das sie zwei Kinder hat ist ja klar. Bei dem Twitternamen 😉 Aber, dass sie mit ihren Kindern zu Hause bleibt ist mir irgendwie bisher entgangen. Da merkt man mal wieder, dass man nicht jeden Tweet mitbekommt.
Ich habe mir den Artikel von vorn bis hinten durchgelesen. Alle 3 Seiten! Das ganze 3 Mal!
Und ich finde ihn gut geschrieben.
Er ist keine Propaganda. Nicht verurteilend. Sondern schlicht aus Fridas Sicht geschrieben.
Neutral und einfach wie sie ihr Umfeld wahrnimmt.
Hier gehts zum Artikel

Warum ich nun aber so perplex bin

Die Kommentare!
Ich habe mir die Mühe gemacht so viele wie möglich davon zu Lesen.
Und man merkt wieder mal: Da scheiden sich die Geister.
Viele hetzen gegen die Mutter. Wie war das noch? Öko-Mutter. Bindungsproblem. Egoismus. Die andere findet es überzogen, dass hier drei Seiten über was geschrieben wird, dass sie als normal erachtet. Dann gab es noch den Bezug zur Politik, den ich hier einfach nicht sehe. Dann gab es noch den tollen Kommentar, dass hier der Papa vollkommen ausgegrenzt wird und nicht mehr Bezugsperson sein soll.
Verständnis gibt es gerade mal zu 1/4 bis maximal 1/3 der Kommentare.
So sehr mich die fiesen Kommentare rasend machen, so sehr rühren mich die verteidigenden.
Vergleiche zu anderen Ländern bei denen es doch auch mit Kita oder Fremdbetreuung „durch ein ganzes Dorf“ klappt, werden gut durch Antworten anderer Leser ausgehebelt.

Verständnis gibt es hier in vielen Variationen.

Was ich für mich aus diesem Beitrag mitnehme?

Tja, gar nicht so leicht. Denn erst mal bin ich neidisch, dass Frida mit ihren Kindern zu Hause bleiben kann.
Mir war das aus finanzieller Sicht leider nicht möglich. Denn ohne mein Einkommen hätten wir ein ziemlich großes Loch in der Haushaltskasse.
Wenn ich dann länger darüber nachdenke, finde ich ihre Art einfach klasse.
Sie ist auf ihr Kind und dessen Bedürfnisse eingegangen. Und das hat nichts mit Öko-Mami zu tun! Sondern einfach mit einem guten Gespür für das was ihr Kind bewegt und braucht.
Nicht jedes Kind ist gleich! Und auch nicht jede Mama oder jeder Papa.
Es ist manchmal nicht ganz leicht, zu verstehen, was sein Kind gerade bewegt und wo das Problem liegt.
Ok, Frida konnte scheinbar auch nicht genau definieren, warum ihre Tochter solche Probleme mit der Kita hatte. Aber es kann schon sein, dass sie einfach mehr Aufmerksamkeit als andere Kinder braucht.
Das gibt es!
Ich sehe es immer wieder in der Kita meines Sohnes. Auch wenn dort die Erzieher durch das Schichtsystem, Krankheit und Urlaub immer wieder wechseln, haben diese oft ein Kind auf dem Arm, dem Schoss oder einfach bei sich stehen. Es bekommt nicht die 100% Aufmerksamkeit, aber dennoch die Sicherheit, dass jemand für es da ist.
Ziemlich ähnlich zu Fridas Tochter. Nur dass diese Art der Aufmerksamkeit nach 2 Wochen vorbei war.
Letztendlich finde ich Fridas Vorgehensweise bewundernswert. Sie lässt sich nicht unterkriegen und stellt sich dem „Problem“ auf ihre Weise. Auch wenn unsere Kultur es leider mittlerweile anders sieht.

Fremdbetreuung – Ja oder nein?

Das ist ein Thema zu dem sich JEDES Elternpaar alleine und unabhängig vom Umfeld Gedanken machen sollte!
Uns blieb keine andere Wahl! Wir mussten aus finanzieller Sicht eine Tagesmutter und dann eine Kita in Anspruch nehmen. Aber ich wäre liebendgern mit ihm noch länger daheim geblieben.
Doch im Nachhinein hatte es meinem Kind definitiv nicht geschadet. Wir hatten leider nicht so oft Kontakt zu gleichaltrigen Kindern und mein Kleiner kann auch nur schwer Kontakte knüpfen. In der Beziehung ist er sehr introvertiert. Aber als er zur Tagesmutter kam machten sich schnell die Sprünge bemerkbar. Er fing an zu laufen. Redete mehr. Aß allein und ohne Hilfe. All das war vorher ein Kampf. Seine Art zu spielen änderte sich auch. In der Kita ging es dann weiter. Vorher mochte er es nicht mit mir zu singen. Nun aber schon. Er kommt immer wieder mit neuen Ideen nach Hause, die er von seinen Freunden aufgeschnappt hat. Ja, er hat nun endlich Freunde 🙂
All das wäre bei uns ohne die Kita undenkbar.
Doch sollte ich jemals ein weiteres Kind bekommen, weiß ich nicht, ob ich auch dieses bereits nach einem Jahr in Fremde Hände geben mag. Vielleicht eher erst nach 2 Jahren 😉
Denn die Zeit ist einfach zu kostbar und es wäre schön, wenn man viel mehr davon gemeinsam verbringen könnte.
 

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Über Anne

Teilzeit-Alleinerziehend, Teilzeit-arbeitend, manchmal überfordert, Mama eines zuckersüßen Buben, Soldatenfrau, ein wenig verrückt und mit ganz viel Herz ausgestattet.

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