Winterzeit ist meine depressivste Zeit

Anne/ Februar 23, 2022/ Aus dem Leben/ 2Kommentare

Zieht sich der Himmel zu, fehlt die Sonne schon für mehrere Tage und es ist allgemein ungemütlich, bricht für mich eine emotional schwere Zeit an. Bei mir wurde vor fast 5 Jahren eine Depression diagnostiziert und ich arbeite noch immer an mir.

Das ist auch ein Grund warum es manchmal etwas ruhiger hier wird oder sich in meinen Beiträgen Stimmungsschwankungen bemerkbar machen.

Ich kann zwar nicht alles auf diese Erkrankung schieben, aber vieles in meinem Leben leider schon. Ich sehe nach außen hin nicht krank aus. Man sieht einfach nicht den Kampf den ich jeden Tag mit mir selbst ausfechte. Darum kämpfe zu funktionieren statt zu schlafen. Ja, schlafen ist tatsächlich ein Hauptsymptom. Das könnte ich den ganzen Tag. Aber ausgeruht bin ich dennoch nicht. Gerade bei trüben Wetter haut es mich um. Wobei Sonne wunderbar ist und nach ein paar Tagen einen regelrechten Ernergieschub verursachen.

Wahre Freude ist auch so ein Problem. Ich bin mitunter neidisch, wenn andere in meinem Umfeld von Herzen lachen. Ich finde Witze nur noch selten witzig. Und wenn ich lache, dass sollte man mir in die Augen sehen. Denn bis dahin reicht es nicht. Nur wenige sind so aufmerksam, dass es ihnen auffällt. Insbesondere die harten Tage, an denen ich durchweg traurig wirke.

Die Depression bewirkt, dass Hausarbeit an meinem Mann hängen bleibt oder ich es auf das Nötigste beschränke. Jeder Gang ist zu viel. Kostet Überwindung. Kraft.

Oft begreife ich nicht, wie ich auf Arbeit funktioniere. Grundlegend ohne Einschränkung. Aber sobald ich Freizeit habe, mein Leben leben kann, haut es mich um.

Aber das Schlimmste sind noch immer andere Leute. Eine psychische Erkrankung ist kein gebrochenes Bein. Man sieht sie nicht. Und doch ist sie da. Es ist eine Krankheit, die behandelt werden kann (und auch sollte). Aber man sieht sie eben nicht. Daher kommt oft „nun hab dich nicht so und kneiff die Arschbacken zusammen“.

Sorry, dafür reicht meine Kraft nicht.

Nun habe ich mir wieder etwas Luft gemacht. Vielleicht auch etwas Verständnis für diese Erkrankung geweckt. Es war einfach nötig.

Und keine Sorge. Ich bin in ärztlicher Behandlung, werde regelmäßig vorstellig und bin von den Medikamenten ganz gut eingestellt. Es gibt eben ein paar harte Tage. Aber auch viele gute.

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Über Anne

Teilzeit-Alleinerziehend, Teilzeit-arbeitend, manchmal überfordert, Mama eines zuckersüßen Buben, Soldatenfrau, ein wenig verrückt und mit ganz viel Herz ausgestattet.

2 Kommentare

  1. Liebe Anne,

    ich wünsche dir von Herzen viel Kraft und dass dir geholfen werden kann. Ich bin glücklicherweise persönlich nicht von Depressionen betroffen, ich habe aber einige Freundinnen und Freunde, die daran erkrankt sind und jeder Tag ist eine große Herausforderung.

    Alles Gute für dich und deine Familie.

    Herzensgrüße

    Anita

    1. Hallo Anita,
      ich bin zum Glück in engmaschiger Behandlung und kann bei Bedarf zusätzliche Hilfe abfordern. Aber ja, es ist ein stetiger Kampf. Als würde man im tiefen Wasser stehen und gegen die Wellen sowie das hinabziehen in die Tiefe ankämpfen. Bei lichten Momenten werden die Wellen weniger, aber der Sog nach unten bleibt spürbar vorhanden.
      VG Anne

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