Was bleibt von einem Ereignis, das ein ganzes Leben überschattet? Ein eindringlicher Roman über Erinnerung, Schuld und die schwierige Frage, wie man von einer Tragödie erzählen kann, ohne sie auszunutzen.
Über „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann
Amoklauf, Erinnerung und Wahrheit: Mehr als zwanzig Jahre nach dem Attentat am Erfurter Gutenberg-Gymnasium wird der Erzähler von den Ereignissen seiner Kindheit eingeholt. Während er versucht, daraus einen Roman zu schreiben, setzt er sich mit der Frage auseinander, wie verlässlich Erinnerungen sind, wer Geschichten erzählen darf und wo die Grenze zwischen persönlicher Verarbeitung und öffentlichem Interesse verläuft.
Meine Meinung zu „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann
Die Ausweichschule hat bei mir leider nicht die Wirkung entfaltet, die ich mir nach den vielen Vorschusslorbeeren erhofft hatte. Statt eines Romans über den Amoklauf oder einer intensiven Auseinandersetzung mit den Ereignissen steht vor allem der Schreibprozess und die Frage im Mittelpunkt, ob und wie sich eine solche Geschichte überhaupt erzählen lässt.
Der Gedanke dahinter ist durchaus spannend, konnte mich in der Umsetzung aber nicht vollständig überzeugen. Viele Passagen wirkten auf mich zu alltäglich und verloren sich in Nebensächlichkeiten, sodass die eigentliche Thematik immer wieder in den Hintergrund rückte. Dadurch fiel es mir schwer, eine emotionale Verbindung zum Erzähler aufzubauen.
Trotzdem merkt man Kaleb Erdmann sein schriftstellerisches Können an. Sein Stil ist präzise und sprachlich stark, auch wenn mich die Geschichte insgesamt eher ratlos zurückgelassen hat. Für mich blieb am Ende das Gefühl, dass das Buch mehr Potenzial hatte, als es letztlich ausgeschöpft hat.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
ISBN: 9783843736565
Verlag: Ullstein Buchverlage
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