„Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte

"Das Schwarz an den Händen meines Vaters" von Lena Schätte

„Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte

Ein Buch, das sowohl trifft als auch flüstert. Mit kräftigen Worten, die unter die Haut gehen, und einer Traurigkeit, die noch lange nachhallt. Absolut beeindruckend!

Über „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte

»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so. Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.

Meine Meinung zu „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte

Wow, dieses Buch hat mich echt berührt – kurz, intensiv und auf eine Art erschütternd, die man so schnell nicht vergisst. Es geht um Alkoholismus und was er mit einer Familie macht, erzählt aus der Sicht der Tochter. Mal ist sie klein, die Welt noch unvollständig, und sie sieht in ihrem Vater mehr als nur den Alkoholiker. Mal ist sie erwachsen, wütend, selbst suchtkrank und an seinem Sterbebett. Diese Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart geben der Geschichte eine besondere Tiefe – oder besser gesagt: eine fragmentarische Intensität, die gleichzeitig packt und fast schmerzt beim Lesen.

Der Schreibstil ist einfach, flüssig und trotzdem kraftvoll. Kurze Kapitel, springende Zeiten, kleine literarische Schätze überall – man saugt die Worte auf, kann das Buch locker an einem Tag durchlesen. Trotzdem muss ich ehrlich sein: Ich hatte mir mehr erwartet. Die Collage aus Erinnerungen und Fragmenten wirkt manchmal ein bisschen zu sprunghaft, sodass man sich kaum richtig in den Fluss der Geschichte fallen lassen kann. Es fehlt ein bisschen die erzählerische Tiefe, die man sich nach so einem schweren Thema wünscht.

Für mich war es trotzdem ein starkes Buch. Es zeigt, dass hinter jedem Alkoholiker ein Mensch mit Geschichte steckt – und dass die Angehörigen oft unsichtbar leiden. Gleichzeitig hat es mich inspiriert: Als angehende Autorin hat es mir gezeigt, dass man auch mit einfacher, unaufgeregter Sprache etwas bewegen kann.

Alles in allem ein sehr eindrückliches Buch, das mich emotional getroffen hat, aber mich ein kleines Stück weit auch unbefriedigt zurücklässt. Von mir gibt es solide 4 von 5 Sternen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen
ISBN: 9783104921082
Verlag: S. Fischer
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Teilzeit-Alleinerziehend, Teilzeit-arbeitend, manchmal überfordert, Mama eines zuckersüßen Buben, Soldatenfrau, ein wenig verrückt und mit ganz viel Herz ausgestattet.

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