Perfekt für herbstliches Wetter. Hier kann man gut eintauchen und sich von der Spannung mitreißen lassen.
Über „Was nicht vergessen wurde“ von Lisa Jewell
Juni 2019: Morgengrauen in London. Schreie ertönen an der Themse, als ein Beutel ans Ufer geschwemmt wird. Sein Inhalt: Menschliche Knochen. Eine ermordete junge Frau, deren Tod viele Jahre zurückliegt. Doch warum finden die Forensiker auch noch mikroskopisch winzige Spuren einer seltenen Baumart?
Detective Samuel Owusu wird mit dem Fall beauftragt und folgt den Hinweisen bis zu einem Anwesen in Chelsea. Genau dort fand die Polizei 30 Jahre zuvor ein Baby … und drei erwachsene Leichen.
Die Hinweise deuten auch auf ein Geschwisterpaar in Chicago hin – die beiden sind auf der verzweifelten Suche nach der einzigen Person, die den Schlüssel zu ihrer rätselhaften Vergangenheit besitzt.
Vier Tote. Ein Geheimnis. Und eine Familie, die dieses Geheimnis beinahe mit ins Grab genommen hätte …
Meine Meinung zu „Was nicht vergessen wurde“ von Lisa Jewell
„Was nicht vergessen wurde“ ist der zweite Band rund um die Familie Lamb – und knüpft fast nahtlos an die Ereignisse von Was damals geschah an. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen, kam aber dank der Rückblenden und gut gesetzten Erinnerungen trotzdem erstaunlich gut zurecht. Wer jedoch beide Bücher kennt, wird sicher noch mehr Feinheiten entdecken.
Im Mittelpunkt stehen dieses Mal Libby und ihr Bruder Henry. Während Libby mir bereits aus Band 1 bekannt vorkam und ich sie schnell wieder mochte, blieb Henry für mich eine eher undurchsichtige Figur – faszinierend, aber schwer greifbar. Seine obsessive Suche nach einem alten Freund aus Kindheitstagen zieht sich wie ein dunkler Schatten durch die Geschichte und sorgt für ein permanentes Gefühl der Bedrohung.
Parallel dazu werden Ermittler Samuel Owusu und Rachel Rimmer eingeführt, die beide mit einem alten Fall in Verbindung stehen: Aus der Themse werden Knochen geborgen, die Jahrzehnte zurückliegen – und plötzlich führt alles wieder zu den Lambs. Diese Verknüpfung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist typisch Lisa Jewell: komplex, clever konstruiert und immer ein wenig unheimlich.
Die Handlung wird aus vielen Perspektiven erzählt, mit häufigen Zeit- und Ortswechseln. Das sorgt einerseits für Dynamik und Spannung, andererseits muss man beim Hören gut aufpassen, um den Überblick zu behalten – besonders, wenn man wie ich das Hörbuch wählt. Sandrine Mittelstädt als Sprecherin macht allerdings einen großartigen Job: Sie trifft die düstere Atmosphäre perfekt und verleiht vor allem Henrys innerer Zerrissenheit glaubhafte Tiefe.
Was mir besonders gefallen hat, war die dichte, beklemmende Stimmung. Niemand in dieser Geschichte ist wirklich sympathisch, jeder trägt Geheimnisse mit sich herum – und genau das macht den Reiz aus. Dennoch fehlte mir manchmal der emotionale Zugang zu den Figuren. Ich wollte mitfiebern, blieb aber seltsam distanziert.
Trotzdem: Der Thriller hat mich bis zum Schluss gefesselt. Gerade das Ende war für mich ein echtes Highlight – klug, überraschend und mit einem gelungenen Aha-Moment.
🎧 Fazit
Ein vielschichtiger, düsterer Thriller mit starkem Spannungsaufbau und moralisch grauen Charakteren. Wer sich auf das komplexe Figurenkonstrukt einlässt, wird mit einer wendungsreichen Geschichte belohnt, die lange nachhallt. Für mich war es trotz kleiner Längen und anfänglicher Verwirrung ein intensives Hörerlebnis.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
ISBN: 9783989550117
Verlag: Ronin Hörverlag
Dauer: 11 Stunden 43 Minuten
Gesprochen vom: Sandrine Mittelstädt
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